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Schwieriger Lohnherbst

Dezember 2008

Die interprofessionelle Gewerkschaft Syna kann mit den Lohnabschlüssen für 2009 nicht zufrieden sein. Gemessen an den berechtigten Lohnforderungen vom Sommer 2008 wurde das Ziel nicht überall erreicht. Die Finanzkrise und die starken und raschen Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben die Verhandlungen erschwert. Die Lohnabschlüsse variieren stark und gleichen im Schnitt die Jahresteuerung von 2,5% aus.

Syna ist mit den Lohnergebnissen über weite Strecken nicht zufrieden, wenn wir sie an den berechtigten Forderungen vom Sommer messen. Im August haben wir eine deutliche Steigerung der Löhne gefordert: Zum einen verlangten wir einen generellen Ausgleich der rekordhohen Teuerung von 2,5%. Zum anderen forderten wir je nach Branche eine, ebenfalls generelle, Reallohnerhöhung von 1,5 bis 2,5%. Die bis jetzt bekannten Lohnabschlüsse erreichen dieses Ziel meist nicht. Sie gleichen im Schnitt gerade mal die Jahresteuerung aus, was für viele Arbeitnehmende real eine Nullrunde bedeutet.

Quelle: Bundesamt für Statistik; Seco; Berechnungen Syna

Forderungen der Arbeitnehmenden sind berechtigt

Über 3% kletterte im Sommer die Teuerung und erreicht im Jahresschnitt immer noch 2,5%. Diese die Familienbudgets stark belastende Entwicklung ist durch die Finanzkrise, welche jetzt auch die Realwirtschaft schneller als erwartet erreicht hat, in den Hintergrund gedrängt worden. Auch wenn die Konsumentenpreise in Zukunft nicht mehr so stark steigen werden, belastet die bisherige Zunahme viele Haushaltsbudgets - und drücken in wirtschaftlich unsicheren Zeiten auf die Konsumlust. Umso wichtiger ist es, dass in vielen Branchen wenigstens der Teuerungsausgleich - und dieser oft generell, also für alle Arbeitnehmende - erreicht wurde.

Ebenso verloren die durch die Arbeitnehmenden erkrampfte Produktivitätssteigerung und die Rekordgewinne der Firmen der vergangenen Jahre als starke Argumente für Reallohnerhöhungen an Gewicht. Die unsichere und düstere wirtschaftliche Zukunft hat die Lohnverhandlungen zu stark belastet. Dies ist sehr bedauerlich, denn für die Arbeitnehmenden ist die Produktivitätssteigerung nicht nur eine Zahl, sondern täglich erarbeitete Realität. Nach wirtschaftlich fünf sehr guten Jahren, verbunden mit steigendem Arbeitsstress und nur mittelmässigen Reallohnerhöhungen (im Total 3,8% in fünf Jahren), bleibt für 2009 noch der Teuerungsausgleich übrig. Zudem steigt in einigen Branchen und Firmen die Angst vor Arbeitsplatzverlust.

Quelle: Bundesamt für Statistik; Seco; Berechnungen Syna

Je später, je schwieriger

Je länger der Lohnherbst dauerte, desto schwieriger wurden die Verhandlungen. Frühe Lohnabschlüsse im Gastgewerbe (2,5%, bei gleichzeitig laufenden GAV-Verhandlungen), bei Coop (3,25%) oder im Metallgewerbe und der Gebäudetechnik (je 2,9%) müssen als gut bewertet werden. Über der Teuerung liegen auch die Abschlüsse bei EOS Transport (3,2%) oder bei der Reiseartikel- und Lederwarenindustrie (3% generell und 1% individuell).

Die zunehmend schlechteren Wirtschaftsnachrichten schmälerten die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften. Wurden die negativen Zahlen transparent auf den Tisch gelegt, war Syna bereit, stärker von den ursprünglichen Forderungen abzuweichen. So wurde bei Alcan Airex in Sins eine Erhöhung von 2,9% beschlossen, wobei nur noch 2,1% generell verteilt werden.

Von der Industrie liegen noch wenige Resultate vor (z.B. Uhrenindustrie: 2,5%; Trisa AG: 2,1% plus ein Ferientag mehr; Holcim: 3%, davon 2,2% generell). Zwischenberichte aus den Betrieben melden aber harzige Verhandlungen, da aufgrund der zum Teil dramatischen Auftragseinbrüche parallel Kurzarbeit und Stellenabbau ins Auge gefasst wird. Da in der Industrie die einzelnen Firmen und Branchen sehr unterschiedlich von der Wirtschaftskrise betroffen werden, gehen wir von einer grossen Spannweite der Abschlüsse aus, die aber im Schnitt sich um den Teuerungsausgleich gruppieren werden.

Die Abschlüsse im Ausbaugewerbe gleichen ebenfalls die Teuerung aus. Einzelne liegen darüber (Orgelbaugewerbe: 2,6% generell und 0,4 individuell), andere knapp darunter (Holzwarendrechsler oder die Möbelindustrie: 2,2% bis 2,4%). Froh ist Syna, dass hier die Lohnanpassungen fast überall generell gewährt werden.

Jetzt kühlen Kopf bewahren

Angesichts der starken wirtschaftlichen Abkühlung und den bedeckten Aussichten akzeptiert Syna die Abschlüsse als realistisch, wenn auch aus Sicht der Arbeitnehmenden mehr verdient gewesen wäre und die Enttäuschung berechtigt ist. Syna fordert die Arbeitgeber auf, das Entgegenkommen der Arbeitnehmenden zu würdigen. Insbesondere dürfen in den kommenden Monaten nicht überhastet Stellen abgebaut werden. Der jetzige konjunkturelle Einbruch muss vielmehr im Notfall über das Instrument der Kurzarbeit aufgefangen werden. Entlässt eine Firma mit ihren jetzt schon knappen Personalbeständen Mitarbeitende, wird sie vom folgenden Aufschwung (und der kommt bestimmt) nicht profitieren können.

Flankierende Massnahmen schützen vor Lohndruck

Am 8. Februar 2009 wird über die Weiterführung des Freizügigkeitsabkommens abgestimmt. Damit wird an der Urne nicht nur über die Personenfreizügigkeit, sondern auch über die flankierenden Massnahmen entschieden. Gerade diese flankierenden Massnahmen sind in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von noch grösserer Bedeutung. Da der Lohndruck voraussichtlich eher zunehmen wird, sind die Kontrollen der paritätischen Kommissionen (in GAV-Branchen) und der Tripartiten Kommissionen sehr wichtig. Und die Prüfungen zeigen Wirkung: In einzelnen Branchen wurden in bis zu 30% der Fälle Missbräuche festgestellt. Bei erneuten Kontrollen betrug die Rückfallquote schon früher gebüsster Betriebe nur noch 6%. Auch wenn die Umsetzung der flankierenden Massnahmen immer noch verbessert werden muss, so darf nicht vergessen werden, dass damit ein wichtiges Instrument zum Schutz der Lohn- und Arbeitsbedingungen geschaffen wurde.


Arno Kerst, Vizepräsident und Leiter Sektoren & Branchen 


Tabelle der Lohnergebnisse 2009 (PDF)

 

 


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