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Her mit dem schönen Leben!

13. März 2010, Nationale Frauendemo in Bern 

Gut 8000 Frauen (sowie etliche solidarische Männer) folgten dem Demoaufruf von über 50 Frauenorganisationen, Parteien und Verbänden. Im Rahmen der 3. internationalen Aktion der Marche mondiale des femmes demonstrierten sie gegen Armut und Gewalt an Frauen sowie gegen Lohndiskriminierung und Sozzialabbau.

Mit fantasievollen und bunten Kreationen liefen die aus allen Teilen der Schweiz angereisten Frauen im Takt von «So-, so- solidarité, avec toutes les femmes du monde entier!» durch die Berner Altstadtgassen. Andere skandierten «Machos machen müde» und «Wir Frauen bezahlen diese Krise nicht!». Auch solidarische Männer, häufig einen Kinderwagen stossend, waren im Demozug zu entdecken. 

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise wirkt sich in unterschiedlicher Weise auf die Lebensbereiche aus. Die unbändige Profitgier hat die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft stark angegriffen. Soziale Rechte werden ausgehöhlt, der Service public wird abgebaut, die Arbeitsverhältnisse verschlechtern sich zunehmend. Viele Menschen verlieren ihre Erwerbsarbeit und werden mit dem Sozialabbau in die Armut gedrängt, während sich einige wenige immer noch Boni auszahlen für «Leistungen», die nicht das Papier wert sind, worauf sie geschrieben sind.

Frauenrechte noch mehr unter Druck   

Die Finanzkrise beeinträchtigt die Existenz der Frauen im besonderen und wirkt sich auf deren ohnehin ungünstiges Geschlechterverhältnis noch negativer aus. Die Arbeitskraft von Frauen ist noch immer weniger wert als die der Männer wie auch die letzte Lohnstrukturerhebung1 in der Schweiz deutlich zeigt. Die Erwerbsarbeit ist der Reproduktionsarbeit immer noch übergeordnet. Die Armut erhält (wieder) zunehmend ein weibliches Gesicht. Rednerinnen auf dem Bundesplatz verlangten denn auch eine Stärkung der sozialen Sicherheit und keine Erhöhung des Frauenrentenalters unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung; Schulstrukturen, welche die Gleichstellung fördern und die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Und sie forderten die Unternehmen auf, ihre Löhne zu überprüfen und endlich die Lohndiskriminierung zu eliminieren.
Der Appell nach weltweiter Solidarität unter den Frauen, um sich gegen die Diskriminierungen und Gewalt noch effektiver zu wehren, war unter den Tausenden von Frauen (und solidarischen Männern, sic!) auf dem Bundesplatz greifbar zu spüren.  

  Weitere Aktionen der Marche mondiale des femmes          

Die Frauendemo war Teil der dritten internationalen Aktion der Marche mondiale des femmes. Bereits seit dem 6. März fanden in 12 Schweizer Städten lokale Aktionen statt. In über 50 Ländern organisieren Frauen Veranstaltungen und Demonstrationen im Rahmen dieser Kampagne und fordern damit ein Ende der Armut und der Gewalt.
Der nächste Höhepunkt der Marche mondiale des femmes wird die Europäische Zusammenkunft am 30. Juni in Istanbul sein, mit der ein Zeichen für ein offenes und solidarisches Europa gesetzt werden soll. 
Am 17. Oktober werden sich Frauen aus der ganzen Welt in Süd-Kivu (Demokratische Republik Kongo) treffen, um den Frauen dort weltweit eine Stimme zu geben in ihrem Kampf für einen dauerhaften Frieden und in Erinnerung an die Tausende von Frauen, die Opfer brutalster Vergewaltigungen in diesem Konflikt geworden sind.

1Wie die Auswertung der aktuellsten Lohnstrukturerhebung (LSE) zeigt, hat sich der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern gar wieder vergrössert:

LSE 2006:  Frauen verdienen 18.9% weniger als Männer

LSE 2008:  Frauen verdienen 19.3% weniger als Männer

Somit erleidet die sich eh nur im Schneckentempo bewegende Angleichung einen empfindlichen Rückschlag, gegen den wir Frauen uns entschieden wehren müssen. Ueberprüfen Sie gleich jetzt, ob Ihr Gehalt frei von Lohndiskriminierung ist. Der Lohnrechner des Bundesamtes für Statistik hilft Ihnen dabei.



Prisca D.R. Widmer
Leiterin Kommunikation


Weitere Informationen:

Marche mondiale des femmes Schweiz

Marche mondiale des femmes International

Lohngleichheitstest Logib für Unternehmen

Lohngleichheitsdialog 

Diskriminierende Frauenlöhne diskriminieren die Rechte der Väter

8. März 2009

Noch immer werden Frauen in der Schweiz aufgrund ihres Geschlechtes ungleich entlöhnt - für Syna ein inakzeptabler Zustand, der zudem verfassungs- und gesetzeswidrig ist. Syna unterstützt aktiv das Projekt «Lohngleichheitsdialog», das vom Bund und den SozialpartnerInnen lanciert wurde. Denn die Lohngleichheit ist von zentraler Bedeutung für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienaufgaben. Zugleich rückt das Projekt die Wertschätzung der Arbeit wieder in den Vordergrund - ein wichtiges Zeichen für eine nachhaltige Bewältigung der aktuellen Krise.

Im Zeitalter der Globalisierung hat sich die Finanzkrise in kürzester Zeit zu einer ausgewachsenen weltweiten Wirtschaftskrise entwickelt, deren weiterer Verlauf noch nicht absehbar ist. Das neoliberale Credo, welches deregulierte Märkte und maximale Kapitalrenditen zum Allerweltsmittel für die wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstandssteigerung für alle hinaufstilisierte, hat kläglich versagt. Sich nun ausschliesslich um die Bekämpfung der Wirtschaftskrise zu kümmern und andere wichtige Forderungen links liegen zu lassen, würde aber zu kurz greifen. Für eine nachhaltige Krisenbewältigung und eine soziale Zukunft müssen gerade jetzt Themen wie Lohngleichheit und Vaterschaftsurlaub verstärkt angegangen werden.

Wertschätzung der Arbeit wieder ein Thema

Die Wirtschaftskrise macht deutlich, in welchem Ausmass die Deregulierung die Kreativität von Kapitaljongleuren angefacht hat, damit diese ihre immer skrupellosere Geldgier befriedigen konnten. Unter welchen Bedingungen die Renditensteigerungen erzielt wurden, interessierte die Casino-Kapitalisten herzlich wenig. Die Wirtschaftskrise zeigt auch auf, dass der Markt es eben alleine nicht richtet. Es braucht staatliche wie sozialpartnerschaftliche Regulierungen, welche den benachteiligten und ehrlich arbeitenden Frauen und Männern rund um die Welt eine menschenwürdige Existenz ermöglichen.

Wir von Syna setzen uns seit jeher für menschenwürdige und Existenz sichernde Löhne für alle ein, unabhängig von der Wirtschaftsdoktrin, die gerade en vogue ist. Wir fordern eine Wirtschaft, die allen Menschen, Frau und Mann sowie Familien, ein menschenwürdiges Leben in einer solidarischen Gemeinschaft ermöglicht. Eine neue Wertschätzung der Arbeit gibt auch eine Perspektive für eine nachhaltige Bewältigung der aktuellen Krise. Denn der Produktionsfaktor Arbeit schafft reelle und keine virtuellen Werte. Wir wollen eine Wirtschaft, die den Frauen, Männern und Kindern gleichsam dient und nicht umgekehrt!

Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienaufgaben fördern

Auch wenn die Männer die Lohndiskriminierung nicht direkt spüren, so sind sie doch indirekt davon betroffen. Denn immer noch ist es für viele Familien schlicht unmöglich, sich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich zu teilen, da bei einer Teilzeitarbeit des Mannes das Familieneinkommen empfindlich sinken würde. Auch die Männer müssen sich am Gleichstellungsprozess beteiligen. Denn Lohngleichheit ermöglicht ihnen, ihrem Bedürfnis nach Ausübung ihrer väterlichen Aufgaben vermehrt nachkommen zu können.

Lohngleichheit stärkt auch die Kaufkraft der Frauen und somit die Stütze Nummer eins der Konjunktur. Der wirtschaftliche Erfolg ist eng mit der sozialen Sicherheit und der Lebensqualität in unserem Land verknüpft. Um deren hohes Niveau halten zu können, müssen alle Frauen und Männer ihr Arbeits- und Familienleben unter menschenwürdigen Rahmenbedingungen führen können. Die Umsetzung der Lohngleichheit sowie von «flankierenden» Massnahmen, wie der Vaterschaftsurlaub und mehr Plätze in der ausserhäuslichen Kinderbetreuung, sind gute Investitionen für die Schweiz mit einem nachhaltigen Gewinn.


Prisca D.R. Widmer
Leiterin Kommunikation

 

Frauenlöhne, Männerlöhne

8. März 2008

Viele Männer und auch Frauen in unseren Breitengraden stellen die Frage: «Internationaler Frauentag? Braucht es den noch?» Und fahren postwendend fort, um sich gleich selbst die Antwort zu geben: «Vielleicht in Entwicklungs- und Schwellenländern, aber doch nicht bei uns! Wir haben doch schon lange die Gleichberechtigung der Geschlechter explizit in unseren Verfassungen und Gesetzgebungen verankert.» Völlig richtig. Doch Papier ist geduldig. Verfassungen und Gesetze erreichen bekanntlich die darin enthaltenen Absichten und Ziele erst, wenn sie auch tagtäglich gelebt werden, von jeder und jedem von uns. Ungleichheiten sind nach wie vor alltägliche Realität, wie jüngste Studien zur Lohngleichheit zeigen.

Lohn(un)gleichheit in der Schweiz

Alle zwei Jahre werden im Rahmen der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik die Löhne in der Schweiz erhoben. Die aktuellsten Zahlen zeigen einmal mehr: die Lohndifferenz ist gross, und es gibt keine einzige Branche, in der die Frauen im Mittelwert gleichviel oder mehr verdienen als die Männer.
Zu gleichen Ergebnissen kommt eine Studie, die letztes Jahr im Auftrag der Zürcher Fachstelle für Gleichberechtigungsfragen durchgeführt wurde. Sie macht deutlich, dass Männer im Schnitt immer noch besser ausgebildet sind und mehr Leitungsfunktionen auf Kaderstufe ausüben als Frauen. Der Lohnunterschied lässt sich jedoch nicht vollständig mit objektiven Massstäben wie Ausbildung, Erfahrung, Dienstalter und persönliche Leistung erklären. Ein beträchtlicher Rest des Lohnunterschiedes bleibt ungeklärt. Zwischen den Branchen bestehen sowohl hinsichtlich des erklärbaren als auch des nicht erklärbaren Teils des Lohnunterschiedes beträchtliche Differenzen, die bis zu zwei Drittel des Lohnunterschieds betragen.

Lohnpolitik ist auch Gleichstellungspolitik

Der Unterschied des Frauenlohns für gleichwertige Arbeit bleibt zu einem grossen Teil «unerklärt». Konkret heisst das: eine Frau kann das genau gleiche Profil wie ein Mann haben (gleiche Aus- und Weiterbildung, gleich viel Erfahrung, gleiches Dienstalter, etc.) und trotzdem bekommt sie weniger Lohn für die gleiche Arbeit, weil sie eine Frau ist! Zudem ist diese direkte Lohndiskriminierung insbesondere in Niedriglohnbranchen verbreitet, die gleichzeitig auch sogenannt «typische» Frauenberufe nachfragen: so im Detailhandel, im Gastgewerbe und in der Herstellung und Pflege von Textilien. Ein wirksames Instrument gegen Lohnungleichheit sind die Gesamtarbeitsverträge. Hier kann der Verfassungsgrundsatz «Frau und Mann haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit» vermehrt in verbindliche und griffige Forderungen seitens der Gewerkschaften eingebracht werden.

Syna hat sich die Lohnpolitik als durchgehenden Schwerpunkt für ihre Gewerkschaftsarbeit gesetzt. Gleichzeitig hat sie ihr Engagement im Dienstleistungssektor verstärkt, insbesondere im Detailhandel und Gastgewerbe - also in Branchen, wo mehrheitlich Frauen zu nicht oder kaum existenzsichernden Löhnen beschäftigt werden und in denen der Organisationsgrad (noch) gering ist. Mit ihrer Arbeit zum Schwerpunktthema Lohnpolitik macht sich Syna gleichzeitig für die Lohngleichheit stark. Und nicht zu vergessen: «Syna» ist weiblich!

 
Prisca D.R. Widmer
Leiterin Kommunikation
 

Weitere Informationen zum Thema Lohngleichheit

Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) bietet einen Selbsttest namens «Logib» zur Lohngleichheit an.  
Aktuelle Informationen zur Schweizer Gleichstellungspolitik sind unter ebg.admin.ch zu finden.

Und wie gesagt, es geht um die Gleichstellung der Frau UND des Manns. Auch viele Männer leiden seelisch, körperlich und sozial an den lebensfeindlichen Strukturen - auch und gerade deshalb, weil diese vorwiegend von Männern geprägt wurden. Auch Männer müssen sich emanzipieren. Nur so kann die Polarisierung in der gesellschaftspolitischen Diskussion rund um das Geschlechterverhältnis aufgeweicht, kann wieder eine Weiterentwicklung im Dialog zwischen den Geschlechtern in Gang gebracht werden.
Hierzu leistet männer.ch, der im Jahr 2005 gegründete Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, wichtige und erfrischende Oeffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig übernimmt er damit eine internationale Pionierrolle. Zumindest im deutschsprachigen Raum gibt es keine vergleichbare Initiative, um die im Jahr 2004 formulierten UNO-Forderungen zur Beteiligung der Männer am Gleichstellungsprozess umzusetzen.

 

Sollen wir den Internationalen Frauentag noch feiern?

8. März 2007

Wie alle symbolträchtigen Daten geht der Internationale Frauentag nicht nur auf eine geschichtliche Tatsache zurück. Einerseits verkörpert er das Ergebnis vieler Kämpfe, Forde­rungen und Debatten und andererseits den stillen Alltag von Millionen Frauen in der gan­zen Welt.

1975, im Internationalen Jahr der Frau, hat die UNO den 8. März zum Internationalen Frauentag ausgerufen und alle Länder aufgefordert, einen Tag den Rechten der Frauen zu widmen. An diesem Tag finden überall zahlreiche Veran­staltungen statt, die regelmässig Gelegenheit bieten, über die Situation der Frauen Bilanz zu ziehen. Der Internationale Frauentag hat auch heute nichts an seiner Aktualität und Wichtigkeit eingebüsst. Solange die Gleich­stellung zwischen Frau und Mann nicht erreicht ist, müssen wir diesen Tag feiern.

Gleichstellung in der Schweiz

Auch in der Schweiz bestehen nach wie vor Ungleichheiten, obschon der Grundsatz der Lohngleichheit seit 1981 in der Verfassung verankert und das Gleichstellungsgesetz 1996 in Kraft getreten ist. Immer noch gibt es unterschiedliche Löhne für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit. Studien belegen, dass Frauen in der Regel 15 - 20% weniger verdienen als Männer. Die Gewerkschaften for­dern regelmässig bei den GAV-Verhandlungen eine Anhebung der Mindestlöhne und konn­ten eine Anpassung erreichen. Der Unterschied hat sich etwas verringert. Trotzdem leben in unserem Land noch viele Lohnabhängige, die gewerkschaftlich nicht organisiert sind und Löhne erhalten, die es ihnen nicht gestatten, davon anständig zu leben. 300 000 Personen - vorwiegend Frauen - sind unterhalb der Armutsgrenze. Deshalb hat Syna zu Recht be­schlossen, 2007 die Verhandlungen über Lohnerhöhungen in den Branchen mit Tiefstlöhnen und ohne Mindestlöhne zu verstärken.

Abgesehen von Lohnungleichheiten leiden Frauen noch unter weiteren Diskriminierungen; insbesondere ist ihnen der Zugang zu verantwortungsvollen Stellungen verwehrt oder sie arbeiten unter prekären Bedingungen (Arbeit auf Abruf und Teilzeitarbeit). Mehr als die Hälfte der berufstätigen Frauen arbeiten Teilzeit (57%) gegenüber nur 11% bei den Män­nern. Teilzeitarbeit ist somit ein typisches Berufsmerkmal der Frauen. Diese Stellen sind oft gleichbedeutend mit prekären Arbeitsbedingungen: ungenügende soziale Sicherheit (z.B. Pensionskasse) und ohne jegliche Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Solange Teilzeitarbeit den Frauen vorbe­halten ist, wird es auch nicht zu einer Aufteilung der Erziehungs- und Haushaltpflichten kommen. Dabei ermöglicht Teilzeitarbeit Frauen UND Männern, andere Tätigkeiten auszuüben wie die Kinderbetreuung, Hilfeleistungen an Dritte («Nachbarschaftshilfe») oder Aufgaben im Haushalt.

Syna und der Internationale Frauentag

An dieser Stelle sei auf die zwei jüngsten Errungenschaften für die Frauen hingewiesen: auf den bezahlten Mutterschaftsurlaub und auf die gerechteren Familienzulagen, die dank unseres grossen Engagements für das neue Familienzulagengesetz nun alle Kinder erhalten, unabhängig von der Situation ihrer Eltern. Teilzeitbeschäf­tigte und alleinerziehende Mütter (und Väter) haben nunmehr Anspruch auf eine volle Kinderzulage.

Bei Syna ist der symbolische 8. März eine Gelegenheit für alle Frauen, sich zusammenzuset­zen und die erlebten Ungleichheiten im Arbeitsleben wie im Alltag zu identifizieren und zu reflektieren. Ohne eine verstärkte Solidarität unter den Frauen lässt sich der Grundsatz der Gleich­stellung nicht verwirklichen. In der Romandie - und nächstes Jahr wahrscheinlich in der gan­zen Schweiz - wird ein Kurs für die Frauen angeboten, die bei Syna arbeiten. An diesem Tag übernehmen die Männer jene Aufgaben, die üblicherweise von ihren Kolleginnen aus­geführt werden.

Es lebe die Solidarität!

Chantal Hayoz
Zentralsekretärin

 

Gedanken zum Frauentag, international und national

8. März 2006

Am 8. März 1857 demonstrierten 40 000 Textilarbeiterinnen in New York und forderten bessere Arbeitsbedingungen, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 14 auf 10 Stunden. Die brutale Niederschlagung dieses Aufstandes weckte und verstärkte die Entschiedenheit der Frauen weit über die Grenzen von New York hinaus, sich aktiv für ihre Rechte einzusetzen.

Frauenrechte international

Aufgrund dieses unsäglichen Ereignisses machte die deutsche Frauenrechtlerin und erste Leiterin des SPD-Frauensekretariats, Clara Zetkins, an der 2. Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen 1910 den Vorschlag, den 8. März zum Tag der internationalen Solidarität und des Widerstandes aller werktätigen Frauen zu deklarieren. 1911 demonstrierten dann erstmals Frauen in Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweden, der Schweiz und den USA für ihre wirtschaftliche und politische Gleichberechtigung.

Der Durchbruch für das Frauenwahlrecht wie auch für andere Aspekte der Gleichberechtigung erfolgte also erst im 20. Jahrhundert. Dabei gingen tendenziell diejenigen Länder voraus, die eine moderne Verfassung erst spät einführten, während die Schweiz trotz (oder vielleicht etwa gar wegen?) ihrer langen demokratischen Tradition weit hinterher hinkte.

Frauenrechte in der Schweiz

Seit der Einführung des Frauenstimmrechtes im Jahre 1971(!) hat die Schweizer Frauenbewegung aber recht Gas gegeben. 10 Jahre später, 1981, wird der Verfassungsartikel für gleiche Rechte für Frau und Mann angenommen. Wiederum10 Jahre später, am 14. Juni 1991, kommt es zum landesweiten Frauenstreik aus Protest gegen die mangelhafte Umsetzung des Gleichstellungsartikels. Der hievon ausgelöste Druck führte zu einigen Erfolgen, so u.a. zur Inkraftsetzung des Gleichstellungsgesetzes im Juni 1996.

Durchschlagende Erfolge in der Umsetzung dieser klaren Grundsatzentscheide haben sich aber noch nicht eingestellt. Diese Ziele lassen sich nicht einfach per Gesetz erreichen, sondern setzen eine gesellschaftliche Änderung im Bewusstsein der Frauen und Männer voraus. Für die Gleichstellung ist ein Wandel in der Einstellung notwendig, der (ein)geübt werden muss. Hierzu gehört auch unser wichtigstes alltägliches Kommunikations- und Ausdrucksmittel, die Sprache. Wie oft reden wir vom Arbeiter oder Konsument und meinen eine Arbeiterin, oder eine Konsumentin? Wie oft tun dies Frauen selbst, wenn sie z.B. von sich sagen: «Ich bin ein guter Autofahrer». Darin liegt der springende Punkt. Sprache spiegelt Realität wider - das bedeutet, sie konstruiert gesellschaftliche Wirklichkeit. Die Geschlechterrollenstereotypen unserer Kultur kommen durch Sprache zum Ausdruck, das Geschlecht wird zum Bewertungskriterium, ohne dass sich dies mann wie frau bewusst wird.

Die Frauen werden nach wie vor dahingehend beschwichtigt, dass sie bei Anwendung der rein männlichen Form mitgemeint sind. Ein anschauliches Beispiel, dass die analog umgekehrte Argumentationsweise nicht funktioniert, ist die Gemeindeordnung in Wädenswil. Im Jahre 1993 genehmigte der Gemeinderat eine neue Gemeindeordnung, die ausschliesslich weibliche Formulierungen enthielt - ein ultraprogressiver und mutiger Entscheid!. Prompt schrieen dann die Wädenswiler Bürger empört auf und fragten, wo denn sie, die Männer, blieben??? In einer Volksabstimmung wurde die neue Gemeindeordnung dann (leider) abgelehnt.

«Und die Moral der Geschicht»: Frauen WIE Männer wollen nicht nur mitgemeint, sondern explizit angesprochen sein und das kann mann WIE frau üben, üben, üben - und erleben, wie sich das Denken, das Bewusstsein dabei ändert, zugunsten der Gleichberechtigung der Frau UND des Mannes. Viel Spass - beim Ueben!

Prisca D.R. Widmer
Leiterin Kommunikation

 

 


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Trotz Gleichstellungsartikel in der Verfassung und im Gesetz sind wir noch meilenweit entfernt von tatsächlicher Gleichstellung - dagegen müssen wir uns aktiver wehren, in der Schweiz wie weltweit.

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