April 2009
Wir sind gegenwärtig in einer tief greifenden weltweiten Wirtschaftskrise. Jetzt wimmelt es nur so von scheinbar Weitsichtigen, welche die negative Entwicklung vorhersahen; von Wendehälsen, welche gestern noch nach Deregulierung und Privatisierung schrieen und heute staatliche Regelungen verlangen und von Windfahnen, die ja schon immer einen gezähmten Kapitalismus wollten.
Soziale Zukunft nach dem weltweiten Crash
Am letzten
Syna Kongress im Jahr 2006, lange vor der Finanzmarktkrise, fragten wir: Soziale Zukunft oder weltweiter Crash? und wir unterstrichen unsere Positionen:
- Die soziale und die wirtschaftliche Dimension der Globalisierung stellen für Syna eine gleichberechtigte Einheit dar. Daher ist die Mitbestimmung der Mitarbeitenden von grosser Bedeutung und schafft die nötigen Voraussetzungen für die Identifikation mit dem Unternehmen und zu motiviertem und engagiertem Arbeiten.
- Das praktisch ungehinderte Schalten und Walten der internationalen Finanzmärkte ist zu hinterfragen. Die Gewinne stehen immer häufiger in keinem realistischen Verhältnis mehr zur realwirtschaftlichen Situation der Unternehmungen
- Für Syna hat die Arbeit Vorrang vor dem Kapital. Die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt.
Die Gewerkschaft Syna ist keine Prophetin und kann nicht die Launen der Konjunktur voraussagen.
Syna ist auch keine Wunderheilerin mit Patentrezepten, um uns aus der gegenwärtigen weltweiten Krise zu führen. Wir vertreten aber Werte, die gestern, heute und morgen ihre Gültigkeit haben.
Würde des Menschen
Wir warnen laufend und lauthals vor falschen Entwicklungen. Wir wehren uns gegen die Liberalisierungs- und Deregulierungsforderungen, welche grundlegende Rechte und Werte der Menschen an den Rand drängen, den Schutz der Arbeitenden schmälern und zu prekären Arbeitsverhältnissen führen.
Wert der Arbeit
Wir kritisieren die stets steigenden Renditeerwartungen, die wachsende Begehrlichkeit der Aktionäre, die damit verbundene Verschlechterung der Arbeits- und Lohnbedingungen sowie den Abbau und die Auslagerung von Arbeitsplätzen. Wir kämpfen gegen Lohndumping. Seit Jahren prangern wir via unsere Dachorganisation Travail.Suisse die Lohnhaie mit ihren unanständigen Managergehälter an.
Krise konkret entschärfen
Syna hat zusammen mit Travail.Suisse verschiedentlich konkrete Vorschläge zur Entschärfung der Krise eingebracht und wird noch weitere einbringen:
- Sofort umsetzbare Konjunktur- und Investitionsprogramme durch die öffentliche Hand; Verbesserungen bei den Sozialversicherungen; verstärkte berufliche Weiterbildung; neue Vorpensionierungsmodelle, um Stellen für junge LehrabgängerInnen zu schaffen. Damit werden Arbeitsplätze gesichert.
- Höhere Kinder- und Haushaltszulagen für Familien und Alleinerziehende mit tiefen Einkommen, Krankenkassenprämienverbilligungen, Lohnanpassungen zur Stärkung der Kaufkraft, tiefere Steuern für bescheidene Einkommen. Damit wird der Inlandkonsum angekurbelt.
- Höhere Steuern für Grossverdienende und höhere Vermögens- und Erbschaftssteuern, denn es darf nicht sein, dass die Arbeitenden die Zeche alleine bezahlen.
Gemeinsam setzen wir uns zur Wehr
In diesen wirtschaftlichen schwierigen Zeiten erwarten viele einen Zulauf bei den Gewerkschaften, den es auch braucht. Wir haben ja Recht, wenn wir gegen den ausufernden Kapitalismus wettern, jede Schlechterstellung des Faktors Arbeit bekämpfen und konkrete Massnahmen zur Milderung der Krise verlangen. 46 Prozent der in der Schweiz lebenden Menschen vertrauen den Gewerkschaften; mehr als den Arbeitgeberverbänden, den Banken und der Politik.
Vertrauen ist gut, Syna-Mitglied sein ist besser. Wir brauchen Mitglieder, die unsere Reihen stärken. Wir brauchen Frauen und Männer, Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellte, die der Gewerkschaft Syna beitreten. Daher ist es notwendig, dass jede und jeder bei allen sich bietenden Gelegenheiten Nichtorganisierte auf die Notwendigkeit der Gewerkschaft aufmerksam machen. Dies nicht nur in Krisenzeiten. Denn es braucht immer eine starke Lobby für die arbeitenden Menschen.
Kurt Regotz, Präsident Syna