31. Mai 2010
Clariant geht auf einige Forderungen der Angestellten ein
Das Management von Clariant hat heute Abend schriftlich zu den im Rahmen der Konsultation eingereichten Vorschlägen der Arbeitnehmenden Stellung genommen.
Die Angestelltenvertretung (AV), die Angestellten-Vereinigung Clariant Schweiz (AVCS) sowie die beiden Arbeitnehmerorganisationen Syna und Angestellte Schweiz stellen dabei fest, dass Clariant auf einige wichtige Forderungen aus ihren Eingaben eingegangen ist:
- Der gültige Sozialplan wird bis Ende 2013 verlängert und soll konsequent angewendet werden. Bei der Umsetzung stehen die Bedürfnisse der betroffenen Clariant-Mitarbeitenden im Vordergrund.
- Betroffene Mitarbeitende können von internen und externen Weiterbildungsmassnahmen profitieren und werden von Clariant darin unterstützt. Auf Antrag der AV will Clariant im Einzelfall auch spezielle Fördermassnahmen prüfen.
- Clariant ist bereit, auch weiterhin eng mit der AV zusammen zu arbeiten. Im Rahmen der regelmässigen Sitzungen werden die internen Sozialpartner laufend über den neuesten Stand im Projekt informiert und können weiterhin Einfluss nehmen und sich einbringen. Dies ist insbesondere bei der Ausgestaltung des Industrieparks Clariant von grösster Wichtigkeit.
Obwohl die vom Clariant-Management gemachten Zugeständnisse eine gewisse Hoffnung auf eine sozialverträgliche Umsetzung der dramatischen Abbaupläne in Muttenz wecken, können sie indes nicht darüber hinweg täuschen, dass es weiterhin zentrale Forderungen seitens der AV, der AVCS sowie der Gewerkschaft Syna und der Angestellten Schweiz gibt, welche zwingend zu erfüllen sind:
- Neben den durch die Firma bereits in Aussicht gestellten Outplacement-Massnahmen muss Clariant insbesondere auf die besonderen Bedürfnisse spezifischer Berufsgruppen eingehen.
- Trotz der ablehnenden Haltung von Clariant bestehen die genannten Organisationen darauf, den betroffenen Mitarbeitenden die Dienstleistungen eines betriebsinternen Arbeitsmarktzentrums zur Verfügung zu stellen.
Grösstes und wichtigstes Anliegen von AV, AVCS, der Gewerkschafts Syna und Angestellte Schweiz aber ist es, auch inskünftig die verschiedenen Etappen des Projektes «GANO II» konstruktiv und lösungsorientiert mitgestalten zu können. Sie wollen sich auch in Zukunft engagiert für konkrete und greifbare Erleichterungen zu Gunsten der betroffenen Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Nur so kann das übergeordnete Ziel erreicht werden: Keine Entlassungen von Clariant-Mitarbeitenden in die Arbeitslosigkeit.
28. April 2010
Arbeitnehmerorganisationen fordern rasche Realisierung von Unterstützungsmassnahmen
Das Konsultationsverfahren im Zusammenhang mit den von Clariant geplanten Abbaumassnahmen am Standort Muttenz wird Ende April abgeschlossen.
Die Angestelltenvertretung der Clariant, die Angestellten-Vereinigung Clariant Schweiz (AVCS) sowie die Arbeitnehmerorganisationen Syna und Angestellte Schweiz haben während der Konsultationsfrist intensiv nach Möglichkeiten zur Bewältigung der bevorstehenden Herausforderungen gesucht. Als wegweisende Grundlage diente das bereits zuvor eingereichte Strategiepapier «Zukunftsperspektiven 2010 – 2012». Das oberste Ziel ist und bleibt: Keine Entlassungen von Clariant-Mitarbeitenden in die Arbeitslosigkeit!
Weitere zentrale Forderungen sind:
- Schaffen und pflegen einer «Roadmap Human Resources»
- Rasche Realisierung eines Industrieparks in Muttenz
Roadmap HR als zentrales Planungstool
Die Roadmap HR soll als Planungswerkzeug darüber informieren, welche Funktionen wann und in welcher Zahl bei Clariant verloren gehen. Darüber hinaus soll sie als Grundlage für gezielte Aus- und Weiterbildungen sowie Vermittlung der betroffenen Mitarbeitenden dienen.
Mit Industriepark Arbeitsplätze schaffen
Mit der Schaffung eines Industrieparks auf dem Clariant-Gelände in Muttenz könnte die vorhandene Infrastruktur sinnvoll weiter genutzt werden. Die umfassenden Anlagen könnten in Profitcentern durch Clariant oder Dritte profitabel betrieben werden und neue Arbeitsplätze schaffen. Der Clariant wurde unter anderem folgende Vorschläge gemacht:
- Kompetenzcenter Chemiecampus (Netzwerk, Lehre/Ausbildung, Forschung/Entwicklung, Analytik, Pilot-Anlage)
- Kompetenzcenter Sicherheit (Chemiewehr, Brandbekämpfung, Arbeitssicherheit)
Ergebnisse werden erwartet
Die Angestellten-Vereinigung Clariant Schweiz (AVCS) sowie die Arbeitnehmerorganisationen Syna und Angestellte Schweiz haben der Clariant-Geschäftsleitung ihre Vorschläge und Forderungen unterbreitet. «Wir erwarten vom Management Ergebnisse, und nicht nur Worte», wie Gert Ruder festhielt. Die drei genannten Organisationen wollen weiterhin aktiv und konstruktiv nach Lösungen suchen.
Clariant hat detaillierte Stellungnahmen zu den Eingaben bis Ende Mai in Aussicht gestellt. Wir bleiben dran!
April 2008
Das Interview zum neuen Chemie- und Pharma-GAV
Der neue GAV der Basler Pharma-, Chemie- und Dienstleistungsunternehmen (VBPCD) ist da - ohne eine einzige Verschlechterung, aber mit deutlichen Verbesserungen. Wer jetzt noch zweifelt, der Gewerkschaft Syna beizutreten, lese das nachfolgende Interview.
Nora Rocher, eine fiktive Arbeitnehmerin in der Basler Chemie - und noch nicht Syna-Mitglied - löchert den Syna-Verhandlungsleiter Arno Kerst mit Fragen.
Nora Rocher: Syna und Unia sind zufrieden mit dem neuen GAV. Aber profitiere ich auch wirklich vom neuen GAV?
Arno Kerst: Ja, gerade für die Arbeitnehmerinnen haben wir einiges erreicht. Im GAV wurde die Gleichstellung von Frau und Mann nicht nur festgeschrieben, sondern bezüglich Beförderung, Entlöhnung, Aus- und Weiterbildung auch definiert. Der Mutterschaftsurlaub beträgt 18 Wochen, wovon vier Wochen vor der Geburt bezogen werden können. Ganz allgemein ist der neue GAV familienfreundlich, was ein zentrales Anliegen der Syna ist.
Nora Rocher: Was ist denn neu für die Arbeitnehmenden mit Familien?
Arno Kerst:Ins Auge sticht die innovative Kinder- und Ausbildungszulagenregelung. Hier zahlen die Firmen ab sofort immer 10% mehr als die gesetzlichen Jahresbeträge. Das schenkt ein, wenn nächstes Jahr diese erhöht werden! Und zur Pflege von Angehörigen wird ein Versorgungsurlaub von bis zu drei Tagen pro Jahr gewährt.
Nora Rocher: Gehen die Väter leer aus?
Arno Kerst: Nein, auch sie profitieren von den Familienverbesserungen! Und es wurde, nicht zuletzt dank dem Einsatz der Syna, ein Vaterschaftsurlaub eingeführt. 6 Tage Urlaub werden den frischgebackenen Vätern bezahlt. Zudem haben sie einen Anspruch auf weitere 10 unbezahlte Tage Vaterschaftsurlaub.
Nora Rocher: Das sind tolle Verbesserungen. Und was hat Syna für meine Kolleginnen und Kollegen, die Schichtarbeit leisten, erreicht?
Arno Kerst: Syna hat von Beginn weg klar gemacht, dass wir Verschlechterungen bei den Zulagen nicht akzeptieren können. Diese sehr harte Arbeit muss gut entlöhnt werden. Auch bei den Schichtzulagen ist es uns gelungen, jegliche Kürzung abzuwehren!
Neu ist, dass für Mitarbeitende, die aus medizinischen Gründen keine Schichtarbeit mehr leisten können, zusammen mit der Personalvertretung nach Alternativen gesucht wird.
Nora Rocher: Früher war die Basler Chemie bei den Ferien führend, hier wäre doch eine Verbesserung nötig!
Arno Kerst: Das haben wir genauso gesehen. An diesem Punkt drohten die Verhandlungen auch zu scheitern. Jetzt können aber alle von 2 Tagen mehr Ferien profitieren. Niemand hat jetzt weniger als fünf Wochen frei und ab 50 Jahre haben alle Mitarbeitende das Maximum von 6 Wochen Ferien. Zudem wurde die bestehenden Firmenregelungen über 5 zusätzliche Freitage für Brücken oder vor Feiertagen in den GAV aufgenommen.
Nora Rocher: Ist dies nötig, das haben uns ja die Firmen bis jetzt auch gewährt?
Arno Kerst: Ja, das ist unerlässlich. Das neue Vertragswerk ist kein «GAV-light» mehr. Alle Protokollvereinbarungen und Regelungen wurden in den neuen GAV integriert und wie bei den Reka-Zulagen z.T. noch verbessert. Nur so haben die GAV-unterstellten Mitarbeitenden Sicherheit und Übersicht über ihre Anstellungsbedingungen.
Nora Rocher: Apropos unterstellten Arbeitnehmenden, wer profitiert jetzt eigentlich von diesem super GAV?
Arno Kerst: An diesem Punkt haben wir zwei volle Verhandlungstage und ein Spitzengespräch lang gerungen. Für Syna kann es nicht sein, dass dem GAV noch etwa 20% der Arbeitnehmenden unterstellt sind und dass der grosse Rest der Angestellten mit einem Einzelarbeitsvertrag nicht vom Schutz einer kollektiven Lösung profitieren kann! Zwar gewähren viele Firmen gleiche oder ähnliche Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeitende, aber auf sicher haben sie nur die GAV-Unterstellten. Ob sie die vielen Neuerungen, wie z.B. der weiter ausgebaute Kündigungsschutz, auch den nicht-unterstellten Arbeitnehmenden gewähren, muss sich erst noch zeigen.
Nora Rocher: Und was macht Syna für die Angestellten im Einzelarbeitsvertrag?
Arno Kerst: Syna setzt sich ja grundsätzlich für alle Arbeitnehmenden ein (wie z.B. mit unserer Volksinitiative «6 Wochen Ferien für alle»), besonders aber für unsere Mitglieder, egal ob sie einem GAV unterstellt sind oder nicht. Der Ausweitung des Geltungsbereiches des GAV VBPCD auf alle Arbeitnehmende ist und bleibt aber unsere Hauptforderung. Warum soll bei Roche, Novartis, Syngenta, DSM und Co. nicht dasselbe möglich sein wie bei Ciba, wo schon heute ein Einheitsvertrag für alle Arbeitnehmenden gilt?!
Nora Rocher: Herzlichen Dank für die Informationen und den tollen neuen GAV!
Arno Kerst: Gern geschehen! Und trittst du jetzt der Syna bei?
November 2007
GAV VBPCD
Der Gesamtarbeitsvertrag der Basler Pharma-, Chemie- und Dienstleistungsunternehmen (GAV VBPCD) gilt seit 2002 für folgende Firmen: Novartis, Valorec, Roche, Schweizerhall Chemie, Bayer, Clariant, Johnson Controls, SF-Chem, Rohner, Syngenta und DSM. Bis heute unterstehen aber nur die ProduktionsmitarbeiterInnen dem GAV. LaborantInnen, Angestellte und das Kader profitieren nicht von den kollektiv ausgehandelten Arbeitsbedingungen. Bisherige Vertragspartnerinnen sind Syna und Unia. Per Ende März 2008 läuft der Vertrag aus.
«Dieses Jahr wurden in unserer Firma fast 50 GAV-Arbeitsverträge in Einzelarbeitsverträge umgewandelt.» Was hier ein Mitglied an der Syna Chemie- und Pharmakonferenz von anfangs November 2007 berichtete, zeigt ein Problem des GAV VBPCD (siehe Kasten) auf: Immer weniger Angestellte und ArbeiterInnen unterstehen den Arbeitsbedingungen eines GAVs. Während die Pharmafirmen zum Erreichen ihrer Geschäftsziele gern auf «Teamspirit» setzen, soll dieser Wert bei den Arbeitsbedingungen nicht mehr gelten. Darum haben die Syna-Mitglieder an ihrer Konferenz nachdrücklich für eine Ausweitung des Geltungsbereiches des GAVs plädiert (
Interview mit Ruedi Greub). Was bei den Firmen Ciba und Huntsman heute schon möglich ist, soll in Zukunft für die VBPCD-Firmen gelten: Vom GAV sollen alle profitieren, ob am Fliessband, im Labor oder hinter dem PC.
Materielle Verbesserungen
Letztes Jahr erreichten Syna und Unia die
Ausweitung des Schwangerschafts- und Mutterschaftsurlaubes auf 4 Wochen vor bzw. 14 Wochen nach der Geburt. Seit Jahren war dies wieder einmal eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Ansonsten stagnieren die ehemals fortschrittlichen arbeitsvertraglichen Bestimmungen: Temporärangestellte oder Lernende kommen nicht in den Genuss des GAVs. Hier ist eine klare Regelung dringend notwendig. Die Gleichbehandlung von Frau und Mann soll nicht nur als Grundsatz formuliert sein, sondern bedarf konkreter Ausgestaltung. Die Kündigungsfristen für ältere Arbeitnehmende sowie die Sozialplanpflicht muss angepasst werden. Gerade in dieser globalisierten Branche, in der oft, weit weg von den Betroffenen, die Restrukturierungsentscheide fallen. Zudem muss die Lohn- und Bonuspolitik neu geregelt werden. Hier müssen die Gewerkschaften wieder eine stärkere Rolle spielen.
Arno Kerst, Branchenleiter Chemie- und Pharmaindustrie