Zeiterfassung «à la Aldi» hat System
Manfred Birkhahn aus Deutschland berichtet über seine Erfahrungen als langjähriger Aldi-Verkäufer, Betriebsrat bei Aldi und engagierter Gewerkschafter.
Aldi-Angestellte stehen bei ihrer täglichen Arbeit unter ständiger Kontrolle. Hingegen fehlt jegliche objektive Erfassung ihrer Arbeitszeit. Die Aldi-Angestellten haben keine Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten zu kontrollieren. «Unbezahlte Mehrarbeit ist die Quelle des Reichtums von Aldi» hält der ausgewiesene Aldi-Kenner Manfred Birkhahn aus Deutschland fest.
«Die Art und Weise, wie Aldi die Zeiterfassung bei den Angestellten betreibt, hat System», sagt Manfred Birkhahn. «10 Minuten Gratisarbeit pro Tag ergeben eine Woche Gratisarbeit pro Jahr und pro VerkäuferIn. Aldi macht seine Gewinne mehrheitlich mit Gratisarbeit.»
Manfred Birkhahn weiss, wovon er spricht. Er hat 21 Jahre, von 1973 bis 1994, bei Aldi Nord in Berlin als einfacher Verkäufer gearbeitet. Die ganze Zeit über war er gewerkschaftlich engagiert. Zuerst als Betriebsrat bei Aldi, bis er im Jahr 1995 hauptamtlicher Landesleiter Berlin bei der Gewerkschaft HBV (Handel, Banken und Versicherungen) wurde. Von 2001 bis 2003 war er bei der Nachfolgeorganisation Ver.di Berlin als Fachbereichsleiter Handel tätig. Seit 2003 arbeitet er im Recherchierteam zum Aldi-Schwarz-Buch. Dabei analysiert und vergleicht er die Arbeitsbedingungen bei Aldi in ganz Europa.
Aldi-Angestellte erhalten keine transparenten Stundenabrechnungen ihrer geleisteten Arbeitszeit. Die Filialleiter halten häufig eine Viertelstunde Arbeitszeit vor und nach Ladenschluss fest, auch wenn die Angestellten tatsächlich eine Stunde und mehr gearbeitet haben. Es kommt auch immer wieder vor, dass die effektive Arbeitszeit im Nachhinein verändert wird.
Kritische ArbeitnehmervertreterInnen werden systematisch verhindert
System hat auch, wie Aldi unliebsame BetriebsrätInnen verhindert. Kritische ArbeinehmervertreterInnen werden mit Drohungen und Verleumdungen rausgeekelt. Nach und nach werden diese mit Leuten der unternehmerfreundlichen «Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger», AUB, ersetzt, die in Deutschland wegen Schmiergeldzahlungen seitens Aldi in die Schlagzeilen geriet. «Dies ist ein klarer Verstoss gegen die Neutralität der BetriebsrätInnen», hält Manfred Birkhahn fest.
Eine systematisch unkorrekte Zeiterfassung, laufende Drohungen vor Arbeitsplatzverlust, Verhinderung von kritischen ArbeitnehmervertreterInnen - dies sind Elemente des höchst effektiven Aldi-Systems, das die Gewinne auf dem Buckel der Angestellten nur so sprudeln lässt. Und das Aldi überall gezielt einzusetzen scheint, so auch in der Schweiz.
Die Gewerkschaft Syna will mit ihren Forderungen dieses «Aldi-System» nachhaltig durchbrechen.
Carlo Mathieu, Branchenleiter Detailhandel
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Syna-Mitglieder berichten über ihre Erfahrungen bei Aldi.