Knapp genügend
Syna ist diesen Herbst mit realistischen und differenzierten Forderungen in die Lohn-verhandlungen gestiegen. Je nach Branche wurde von uns bis zu 2% Lohnerhöhung gefordert, gleichzeitig aber auch das Thema Arbeitsplatzsicherheit thematisiert. Die jetzt vorliegenden Resultate befriedigen nur zum Teil. Angesichts der Wirtschaftslage fällt die Note «knapp genügend» aus.
Die globale Wirtschaftskrise hat auch die Schweiz mit aller Härte erfasst. Umsätze und Gewinne brechen ein und Stellen wurden und werden gestrichen. Dieses Bild stimmt jedoch nur zum Teil. Insbesondere das Gewerbe und auch diverse Dienstleistungsbranchen konnten sich auf dem hohen Vorjahresniveau behaupten. Deshalb waren die Erwartungen der Arbeitnehmenden für diesen Lohnherbst berechtigterweise nicht nur düster.
Enttäuschendes Gewerbe
Besonders die Baubranchen scheinen wenig von der Wirtschaftskrise zu spüren. Mitglieder aus dem Hoch-, Tief- und Ausbaugewerbe berichten uns, dass sie gleichviel und mehr arbeiten als schon im sehr guten Vorjahr. Umso enttäuschender fallen die bisherigen Lohnabschlüsse in diesem Bereich aus. Während die Lohnerhöhung von + 1% im Bauhauptgewerbe noch zufrieden stellend ist, haben die Arbeitgeber im Ausbaugewerbe auf breiter Front auf stur gestellt. Sie schoben dabei vor allem das Argument der negativen Teuerung von voraussichtlich minus 0.4% in diesem Jahr und die leicht gedämpften Zukunftsaussichten vor. Einige Verhandlungen sind noch im Gange. Sie verlaufen im Metallgewerbe, der Elektro- und Telekommunikationsbranche und der Gebäudetechnik äusserst mühsam und auf tiefem Niveau. Dies ist umso unverständlicher da z.B. die Elektrofirma Burkhalter die Löhne um Fr. 120.- bis zu einem Monatslohn von Fr. 6000.- anhebt. Es würde also auch anders gehen!
Andere Verhandlungen wie z.B. bei dem Maler/Gipser-Gewerbe oder im Gerüstbau finden erst im neuen Jahr statt. Eine Nullrunde gibt es bei den Schreinern. Die Orgelbauer schliessen mit + 0.5% generell ab und auch in der Ziegelindustrie werden die Löhne um Fr. 30.- (die Mindestlöhne um Fr. 50.-) erhöht.
Mit diesen Anpassungen wurde nicht das erhoffte positive sondern ein falsches Zeichen in einer noch gut laufenden Branche gesetzt. Die jetzt durch die Arbeitgeber gemachten Lohneinsparungen müssen den Arbeitnehmenden nächstes Jahr in Form erhöhter Arbeitsplatzsicherheit zu gute kommen!
Industriesektor in Schwierigkeiten
Dass die Verhandlungen im Industriesektor aufgrund der massiven wirtschaftlichen Einbrüche schwierig würden, war schon im Sommer abzusehen. Trotzdem war die Forderung der Arbeitgeberverbände nach Lohnkürzungen unverhältnismässig und verantwortungslos. Die ersten Abschlüsse zeigen, dass Syna mit den differenzierten Forderungen richtig lag. So werden die Löhne der Betonwarenindustrie bei Holcim um 1% angehoben (davon 0.75% generell) und dazu noch eine Prämie von einmalig Fr. 1000.- ausbezahlt. Auch die Kunststoffindustrie erhöht in Sins bei Ineos die Löhne um 1% (generell) und ergänzt mit einer Einmalzahlung von Fr. 300.-. In der Uhrenindustrie (+Fr. 100.-) und auch der grafischen Industrie (+2.3 bis 2.9%) wurden nur die Mindestlöhne angehoben, diese dafür aber deutlich.
Es gibt aber auch Nullrunden: So in der Textilindustrie, in der Papierindustrie bei Utzensdorf-Papier oder auch bei Trisa. Dafür bekommen die BürstenherstellerInnen einen Tag mehr Ferien und auch die Erfolgsbeteiligung wird ausbezahlt.
Die von Arbeitgeber(verbänden) geforderten Lohnreduktionen haben sich jedoch als ideologische Rohrkrepierer herausgestellt. Die noch sehr zahlreichen laufenden oder bevorstehenden Lohnverhandlungen gestalten sich zäh. Syna bekräftigt hier ihre differenzierten Forderungen nach Lohnerhöhung und Arbeitsplatzsicherheit.
Die zentrale Forderung der Syna nach Arbeitsplatzsicherheit wurde in einigen Betrieben kontrovers diskutiert. Während in vielen Unternehmen der chemischen Industrie gute Sozialpläne bestehen (und diese wie bei Ciba/BASF und Huntsman erst gerade wieder verlängert wurden) oder Trisa für 2010 angekündigt hat, den Personalbestand nicht zu verringern, gibt es leider auch andere Firmen, die nicht bereit waren, vorsorgliche Sozialpläne auszuhandeln. Hier ist die Sozialpartnerschaft im nächsten Jahr besonders gefordert.
Keine oder geringe Lohnanpassungen für 2010 und dann im nächsten Jahr unabgefedert Arbeitnehmende entlassen; dies würde für sozialen Sprengstoff sorgen. Die Arbeitgeber und Banken sind gefordert, mit Kurzarbeit bzw. den nötigen Krediten die Arbeitsplätze zu sichern. Die Arbeitnehmenden der Industrie haben mit den sehr zurückhaltenden Lohnanpassungen ihren Anteil geleistet.
Dienstleistungssektor stützt Kaufkraft
Dank den gesamtarbeitsvertraglichen Abmachungen werden die in der Reinigungsbranche so wichtigen Mindestlöhne in der Westschweiz um 1.4%, in der Deutschschweiz um mindestens 2% angehoben. Der Detailhandel ist nicht nur die Stütze der Binnenkonjunktur, sondern auch wichtiger Arbeitgeber. Die Löhne bei Coop werden bis zu einem Lohn von Fr. 4499.- um Fr. 40.- generell, darüber um 0.75% individuell angehoben. Die drei untersten Mindestlohnkategorien werden um Fr. 100.- erhöht. Auch in der Agrarwirtschaft beträgt dank einer Erhöhung des Mindestlohnes um Fr. 100.- der tiefste Lohn neu Fr. 3700.-. Im öffentlichen Sektor und den Spitälern sind noch einige Verhandlungen im Gange, doch zeichnen sich Erhöhungen bis zu 1% ab.
Der Lohnherbst ist noch in einigen Betrieben und Branchen im Gange. Damit es zu einem Lohnfrühling für die Einkommen der Arbeitnehmenden wird, sind aber noch harte Verhandlungen nötig. Die bisherigen Lohnabschlüsse können höchstens knapp genügen. Sie sind ein starkes Zeichen der Arbeitnehmenden, auch ihrerseits einen Beitrag für den Arbeitsplatzerhalt zu leisten. Jetzt sind die Arbeitgeber in der Verantwortung, 2010 mit allen Mitteln Entlassungen zu vermeiden und die vorausgesagten Arbeitslosenzahlen als Fehlprognose entpuppen zu lassen.
Weitere Auskünfte:
Arno Kerst
Vizepräsident Syna
Mobile 079 598 67 70
arno.kerst@syna.ch
<- Zurück zu: Aktuell



Arbeitslosigkeit hat ein Gesicht
